Jahreskonzert 2015
"Heiß begehrt – kalt erwischt"


 

 
 

Mo, 14. Dezember 2015
Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.
von: Babette Staiger


Unterwegs in allerlei Klangwelten
Das Jahreskonzert des Musikvereins Prinzbach-Schönberg überzeugt mit technischer und emotionaler Klasse.

SEELBACH-SCHÖNBERG/BIBERACH. Das Jahreskonzert des Musikvereins Prinzbach-Schönberg ist ein klangliches Großereignis. Auch dieses Mal ist es dem Orchester unter der Leitung von Dirigent Stefan Griesbaum gelungen, das Publikum in unterschiedliche Klangwelten zu entführen – und das mit technischer und emotionaler Klasse.

Das Programm stand unter dem Titel "Heiß begehrt – kalt erwischt" und ließ keine Wünsche offen. Feuer und Eis – cineastisch anmutende Klangschilderungen und warmer Schmelz in der Stimme einer Eisprinzessin; geradezu klassisch anmutende, sinfonische Klänge und anspruchsvoller, rhythmisch perfekt umgesetzter Jazz. Das alles holten die hervorragend ausgebildeten Musikerinnen und Musiker auf die Bühne in der Turn- und Festhalle in Biberach und folgten dabei sensibel wie engagiert dem professionellen Dirigat von Stefan Griesbaum. Gut recherchiert und gewandt im Vortrag präsentierte sich dazu passend die Moderation von Josef Schöner. Ergebnis: frenetischer Applaus und drei Zugaben.

Eine befreundete Tanzschule ließ zum Walzer „Tanzende Fontänen“ von Klaus-Peter Bruchmann beim Jahreskonzert des MV Prinzbach-Schönberg ein Paar beschwingte Kreise drehen. Foto: Babette Staiger

Bereits im ersten Teil überraschte der Eingangstitel "Montanas del Fuego" von Markus Götz, der die schroffe, stets unterschwellig brodelnde Landschaft der Insel Lanzarote in Musik übersetzte. Melancholisch und majestätisch zugleich entstanden die "Schmelzenden Riesen" von Armin Kofler, nämlich die sich langsam zurückziehenden Gletscher der Alpen vor dem geistigen Auge der Zuhörer. Richtig interessant wurde es allerdings im zweiten Teil des Konzertabends. Da nämlich holte Griesbaum die talentierte, junge Musicalsängerin Lisa Fautz auf die Bühne. Ihre warme, intensive Stimme intonierte Melodien aus "Die Eiskönigin", Titel des Komponisten Stephen Bulla, der die Stücke für den gleichnamigen Disneyfilm verfasst hatte. Eine kräftige, saubere Stimme ist indes nicht alles, wenn auch ein Hinhörer. Dazu passen muss auch ein Orchester, das sich sensibel an Dynamik und Timbre der Sängerin, wie auch an den dramatischen Zug eines solchen Vortrags anpassen kann. Dass das Orchester des MV auch dieses Zusammenspiel beherrscht, bewies der Zwischenapplaus. Nie wurde eine Eisprinzessin mit mehr Wärme begrüßt.

Gleich danach wagte sich Stefan Grießbaum an Drive, Synkopen und rhythmischen Witz von Herbie Hancocks "Watermelon Man". Hier konnte vor allem die Percussiongruppe zeigen, was in ihr steckte. Im Anschluss bewies Friedrich Roser bei Josef Strauss’ "Feuerfest-Polka", dass er nicht nur einen echten Amboss mit Kreissäge und Metallfeile "stimmen" kann, sondern auch die Rolle des "Rhythmusschmieds" beherrscht. Zum Abschluss wagte Griesbaum, ein musikalisches Medley der Schlagersängerin Helene Fischer konzertant umzusetzen. Selbst Skeptiker mussten danach allerdings zugeben, dass die Melodien, verwandelt durch den Instrumentensatz, gar nicht schlecht klangen. Drei Zugaben forderte das Publikum. Lisa Fautz’ Stimme erklang noch zwei Mal und dazu eine Polka des Komponisten Martin Scharnagel.

Ehrungen: 20 Jahre Mitgliedschaft: Rudolf Streif; 30 Jahre: Stefan Himmelsbach, Daniela Himmelsbach und Bianca Wieland



Offenburger Tageblatt

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Di, 15. Dezember 2015

Klangbilder und große Gefühle
Trachten- und Musikkapelle Prinzbach-Schönberg bot dem Publikum ein raffiniertes musikalisches Menü

Bizarre Landschaften, große Gefühle und eine nicht zu kleine Prise Humor: Das Menü, welches die Trachten- und Musikkapelle Prinzbach-Schönberg am Samstag ihren Zuhörern in der sehr gut besuchten Biberacher Festhalle servierte, bot unter dem Motto »Heiß begehrt – kalt erwischt« eine raffinierte Mischung.

Biberach. Zum Ende des kurzweiligen Programms mit seinen zahlreichen Höhepunkten gab es ganz viel warmen Applaus und die Gewissheit, dass die Jahreskonzerte der Kapelle unter ihrem Dirigenten Stefan Griesbaum tatsächlich bei den Besuchern heiß begehrt sind. Dabei – so wurde gleich beim ersten Stück deutlich – ist das musikalische Niveau beachtlich.

Ein geheimnisvoller Auftakt in tiefem Blech, rhythmische Spannung im Percussion-Satz, gefolgt von einem von Flötenklängen getragenen, melodiösen Mittelteil, dessen warmes, mit orientalischen Elementen verziertes Thema aber bald wieder von dramatischen, sich steigernden Passagen abgelöst wurde…
In solch anschaulichen Klangbildern beschreibt der Komponist Markus Götz die Kanareninsel Lanzarote, deren bizarre und überwiegend schwarze Landschaft von den »Montanas del Fuego«, den Feuerbergen, geprägt ist. Trockenheit und das Brodeln der Vulkane in einem klanggewaltigen, eruptiven Finale haben in das sinfonische Werk Einklang gefunden, was von den Musikern – allen voran Solistin Gisela Volk am Es-Saxofon – feinfühlig interpretiert und mit viel Liebe zum Detail dargeboten wurde. Auch die folgenden Werke »Pompeji« und »Schmelzende Riesen« beschreiben in dramatischen Bildern Naturkatastrophen. Viel Freude machte es, dem sinfonischen Werk aus der Feder von Mario Bürki zuzuhören. Hierbei glänzte Claudia Martin als Solistin am Es-Sax, aber der Kapelle wurde auch sonst bei »Pompeji« die Möglichkeit geboten, im Wortsinn alle ihre Register zu ziehen
Eine drohende Katastrophe der Neuzeit schildern hingegen die »Schmelzenden Riesen« von Armin Kofler, der mit seinem Werk auf die Auswirkungen des Klimawandels aufmerksam machen wollte.
Doch die Musikkapelle ist nicht umsonst bekannt als Garant für gute Unterhaltung, und so gelang es ihr, den ernsten ersten Teil mit wahrhaft »Tanzenden Fontänen« aufzulockern: Zum Konzertwalzer schwebte sehr anmutig ein Paar aus einer Hausacher Tanzschule im Dreivierteltakt durch die Zuschauerreihen.
Erstmal vespern!
Nach der Pause dann stand Unterhaltung im Fokus: Ob beim Ohrwurm »Day O« – dem »Banana Boat Song« – oder bei Herbie Hancocks groovendem »Watermelon Man«, zu dem die Ehrengäste den gleichnamigen Cocktail serviert bekamen. Lustig war auch die »Feuerfest Polka«, in der Percussion-Urgestein Friedrich Roser zum Solo-Ambossist und Paarhammervirtuosen mutierte. Allerdings erst, nachdem er sein Instrument mittels Flex »gestimmt« und ein stärkendes Vesper eingenommen hatte – eine Riesengaudi.

Die Trachten- und Musikkapelle Prinzbach-Schönberg bot ihren Zuhörern in der Festhalle Biberach einen unterhaltsamen Abend mit Musik von »heiß« bis »kalt«. (Foto Andrea Bohner)


Das Highlight des zweiten Teils aber war der Auftritt der jungen Sängerin Lisa Fautz aus Biberach, welche sehr gefühlvoll einen Filmsong vortrug. Elsa, Hauptperson der Disney-Animation »Die Eiskönigin«, ist ein kleines Mädchen, das Zauberkräfte besitzt, diese aber nicht beherrscht. Dadurch hat sie versehentlich ihre kleine Schwester verletzt – und als gequälte Seele singt sie nun voller Inbrunst und Trauer »Die Kälte ist nur ein Teil von mir«.
Lisa Fautz gelang es, die große Melancholie und verzweifelte Sehnsucht nach der einstigen Spielgefährtin umzusetzen und bei den Besuchern für »Gänsehaut pur« zu sorgen.
Das Konzert in der Biberacher Festhalle endete mit der Polka »Von Freund zu Freund« und einer weiteren Zugabe, in der die Sängerin dann noch ganz andere Töne anschlug – nachdem die Musikkapelle bereits zuvor ein Medley mit den Hits von Helene Fischer dargeboten hatte, sang sie zum Abschluss »Atemlos«.

Autor:
Andrea Bohner

 


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